Parodontitis ist eine Erkrankung, die auch bei Pferden immer wieder vorkommt. Das Alter spielt hierbei keine Rolle, auch ganz junge Pferde können schon darunter leiden. In leichten Fällen ist dem Pferd von außen nichts anzusehen. In schwereren Fällen bemerkt man Gewichtsverlust und unangenehmen Geruch aus dem Maul. Bei hochgradiger Parodontitis kann es zu Lockerung der Zähne, Entzündungen des Kieferknochens und eitrigem Ausfluss aus der Nase kommen.
Was genau ist Parodontitis?
Ganz allgemein gesprochen ist es die Entzündung des Zahnhalteapparates. Der Zahn selber ist meist intakt aber das Gewebe, welches den Zahn im Zahnfach hält, ist erkrankt.
Die Ursachen sind vielfältig. In allen Fällen jedoch kommt es zu Futtereinspießung zwischen die Zähne. Da das Futter hängen bleibt, fängt es an zu gären und das umliegende Zahnfleisch entzündet sich. Dieser Prozess kann oberflächlich bleiben oder in die Tiefe zwischen zwei Zähne wandern.
Es ist nicht immer ganz klar, warum es zu solchen Futtereinspießungen kommt. Teilweise liegt es an Fehlstellungen der Zähne, so dass der perfekte Sitz von Zahn an Zahn nicht gewährleistet ist. Oder wenn ein Zahn fehlt, kann ein anderer in diese Lücke wandern und hinterlässt hinter sich einen Spalt. Bei alten Pferden kommt es auch zu solchen Spaltbildungen, da die Zähne im Alter etwas schmaler werden. Parodontitis hat aber auch etwas mit einem nicht intakten Immunsystem zu tun. Manche unbehandelten Cushing Patienten entwickeln eine so hochgradige Parodontitis, dass der ganze Unterkieferknochen beginnt, sich aufzulösen. Das ist aber zum Glück sehr selten der Fall.
Bei der normalen Zahnbehandlung sollten vom Tierarzt nicht nur die Zahnoberfläche, sondern routinemäßig auch alle Zahnzwischenräume mit dem Spiegel begutachtet werden. Ob eine Parodontitis dann behandelt werden muss und in welchen Abständen diese Behandelung erfolgen sollte, muss individuell von Fall zu Fall entschieden werden.
Was kann man tun?
Die eine optimale Therapie gibt es nicht. Zum einen ist jeder Fall anders zu beurteilen und zum anderen gibt es bei den Therapeuten keine Einigkeit, was die Methode der Wahl ist und wie invasiv behandelt werden sollte. Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass das Gebiss als erstes einer Zahnbehandlung unterzogen werden sollte, damit es gut ausbalanciert ist.
Mit Hilfe von Sonden und Wasserdruck, kann man die betroffenen Zahnzwischenräume säubern. Dieses Vorgehen ist sehr zeitaufwändig, aber wichtig. Es kann dabei hilfreich sein, mit einer Fräse den Zahnzwischenraum etwas zu erweitern. Hierzu gibt es verschiedene Empfehlungen: Jeden Zahnzwischenraum, der Parodontitis hat, bis unter Zahnfleischniveau erweitern oder nur eine Rinne in die Kaufläche fräsen, so dass der Druck optimaler verteilt wird. Da ich insgesamt immer versuche möglichst Zahnmaterial sparend zu arbeiten, wähle ich meistens letztere Methode oder beschränke mich nur auf das Ausbalancieren des Gebisses und das Säubern der Zahnzwischenräume.
Zum Auffräsen muss das Pferd tief sediert werden, damit man exakt arbeiten kann und nicht durch Zungen- und Kaubewegungen gestört wird. Manche Therapeuten empfehlen das Füllen der jetzt neu entstandenen Räume. Diese Therapieform wende ich nicht an. Wird das falsche Material zum Füllen verwendet, kann es zu schweren Reaktionen des Zahnfleisches oder des gesamten Organismus kommen.
Je nach Schweregrad muss die Therapie in 3, 6 oder 9 Monaten wiederholt werden. Ob man eine vollständige Heilung erreicht, eine Besserung oder keinen Erfolg hat, ist schwer vorher zu sagen. Aber der Versuch ist es Wert, da die Erkrankung für die Pferde sehr unangenehm sein kann.
Was kann der Besitzer tun?
Es kann helfen, das Heu eingeweicht zu füttern. Man vermeidet damit, dass das Futter zischen die Zähne kommt, dort nach quillt und somit hängen bleibt. Homöopathisch kann die Heilung mit Mercurius Solubilis unterstützt werden.