Karies

Beim Pferd gibt es zwei Arten von Karies. Die Infundibularkaries der Oberkieferbackenzähne und die periphere Karies.

Infundibularkaries

Die Oberkieferbackenzähne der Pferde haben je zwei Schmelzbecher dessen offene Seite auf der Kaufläche und die geschlossene Seite zur Wurzel hin zu liegen kommt. In der Entwicklung des Zahnes zieht in diesen Schmelzbecher ein Blutgefäß hinein welches dafür sorgt, dass dieser Schmelzbecher mit Zement ausgefüllt wird. Geschieht dies nur unvollständig bleibt der Schmelzbecher teilweise hohl. Das kann sowohl von der Kaufläche her zu sehen sein als auch als Hohlraum in der Tiefe des Zahnes vorkommen. Die Gründe dafür sind nicht unbedingt nachzuvollziehen. Vorstellbar ist eine zu früh unterbrochenen Blutzufuhr in den Schmelzbecher hinein z. B. durch ein Trauma oder durch zu früh entfernte Milchzahnkappen. Auch eine ungenügende Versorgung mit Mineralstoffen in der Aufzucht könnte ein Grund sein. Wahrscheinlich ist ein guter Teil wie bei uns Menschen auch Veranlagung.

Beim Fressen dringt das Futter in den enstandenen Hohlraum ein und Bakterien setzen die im Futter enthaltenen Kohlenhydrate zu Säure um, die wiederum die Zahnhartsubstanz angreift: Karies entsteht. Kurzkettige Kohlenhydrate wie sie z. B. in Form von Melasse in vielen Müslis enthalten sind, beschleunigen diesen Prozess. Karies ist beim Pferd nicht so gut erforscht wie beim Menschen, man geht aber davon aus, dass es Parallelen in den Zusammenhängen Ernährung – Bakterien und Säureentstehung gibt.

Kommt es nur zu einer geringgradigen Karies, kann es sein, dass der Zahn und das Pferd ein Leben lang damit gut zurecht kommt. Dringt die Karies tiefer in den Zahn vor, kann das Pferd dadurch Schmerzen bekommen. Bricht die Karies bis in das Leben also in die Zahnwurzel ein, kann es zu einer Zahninfektion mit Eiterbildung kommen. Fließt der Eiter über die Maulhöhle ab, wird es von Außen kaum zu bemerken sein. Bricht der Eiter in die Nasennebenhöhlen durch, kommt es zu einseitgem stinkenden Nasenausfluss. Spätestens jetzt muss der betroffene Zahn gezogen werden.

Sind beide Infundibula eines Zahnes befallen und sie verschmelzen dadurch miteinander, kann der Zahn so instabil werden, dass es bricht. Auch dies ist manchmal bei der Zahnbehandlung ein Zufallsbefund. Dem Pferd war dieser Prozess nicht anzumerken. Für mich heißt das allerdings nicht, dass man deshalb davon ausgehen kann, dass das Pferd kein Problem damit hatte, sondern nur, dass es keine Probleme gezeigt hat oder dass die nicht als solche erkannt wurden.

Bei der Untersuchung der Maulhöhle mit einer hellen Lampe und einem Spiegel, kann man die Infundibularkaries gut erkennen, so lange die Kauflächenseite der Schmelzbecher davon betroffen ist. Ist der Schmelzbecher zur Kauflächenseite hin intakt und erst in der Tiefe ausgehöhlt, wird sie erst dann ans Tageslicht kommen, wenn der Zahn bis zu dieser Stelle durchs Kauen des Pferdes abgerieben worden ist.

Was ist zu tun? Hat man den Verdacht, dass es sich um eine tiefe fortschreitende Karies handelt, kann man ein Röntgenbild machen, um die Wurzel des Zahnes zu kontrollieren. In manchen Fällen mag das Aufbohren und Verfüllen in einem frühen Stadium der Erkrankunng sinnvoll sein. Ist der Zahn allerdings schon zu weit zerstört, ist er nicht mehr zu retten und man muss über eine Extraktion nachdenken.

Was kann man vorbeugend tun?

Eine pferdegerechte Ernährung ohne zuckerhaltige Zusatzfuttermittel und eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen in der Aufzucht sind eine gute Grundlage. Äpfel sollten auch nur mal als Leckerlie gefüttert werden und nicht im Übermaß. Die regelmäßige Zahnkontrolle und -behandlung kann zwar eine Karies nicht verhindern, aber in manchen Fällen kann unnötiges Leiden des Pferdes verhindert werden.

 

Die periphere Karies

Gerade an den Backenzähne, die weit hinten in der Maulhöle liegen, kommt es bei manchen Pferde seitlich an den Zähnen zu einem Phänomen, dessen Entstehung noch ungeklärt ist. Die Zähne sehen von der Seite wie „angefressen“ aus. Viele halbkugelförmige Vertiefungen, in der Seitenfläche des Zahnes. Nach dem Ausspülen des Maules vor der Untersuchung bleibt hier das Futter oft noch hängen und man muss es mit etwas Wasserdruck extra entfernen. Diese From der Karies sieht man häufig zusammen mit Parodontitis. Welche Faktoren dazu führen ist nicht bekannt. Bei drei Fällen in meiner Kundschaft, bei denen die Pferde dieses Problem von einenm Jahr auf das andere entwickelt haben, lag dazwischen eine schwere Erkrankung. Bei zwei Pferden im gleichen Stall wurde in der Zwischenzeit auch mehrfach eine Selenkur gefüttert. Das dritte Pferd hat hochdosiert Kortison bekommen. Dies beweist natürlich nichts, bestärkt mich aber in der Meinung, dass die Zufütterung von Selen nicht unbedingt unbedenklich ist.

Über vorbeugende Maßnahmen ist schwer etwas zu sagen, da die Entstehung nicht klar ist. Kommt eine Parodontitis dazu, ist dies auf jeden Fall auch zu behandeln. Durch das Futter, das bei der Parodontitis in den Zahnzwishenräumen hängen bleibt entstehen bei der Zersetzung Säuren, die die Zahnhartzubstanz zusätzlich angreifen. Erkannen kann man diese Erkrankung nur bei einem sedierten Pferd, das mit heller Lampe und Spiegel bei gut ausgespültem Maul untersucht wird. Nur bei einem Teil der Fälle, kommt es zu einer so starken Geruchsentwicklung, dass es auch für den Besitzer auffällig wird, „dass da etwas nicht stimmt“.

Säuren sind auch in Silage und Äpfeln vorhanden, so dass diese Futtermittel für Pferde nicht so geeignet erscheinen. Bei Pferden mit peripherer Karies sollten sie gar nicht in den Trog kommen. Pferde, die viel Silage bekommen, fehlt den Zähnen der koplette Zementüberzug und der Schmelz liegt frei. Wird die Silagefütterung beendet, verschwindet mit dem Rausschieben eines intakten Zahnes aus dem Zahnfach dieses Bild wieder.